Spiel mir das Lied vom Tod – Schmankerl der Woche

Ich kann sie nicht leiden, die Möchtegernsuizid- Leute! Irgendwas Giftiges fressen und postwendend den Notarzt anrufen! Boah! Geht mir echt auf den Sack!

Du rennst Dir die Hacken ab um Deine teils todkranken Patienten über die Schicht zu retten und dann hockt da eins im Bett und teilt der schockierten Verwandschaft per Handy mit was es braucht für den nun anstehenden Psychiatrie-Aufenthalt „…  und bitte das Shirt mit … unbedingt die Jeans, ja … in der Wäsche … eilt nicht … bitte bei 30° … und dann den blauen Kulturbeutel … das Adressheftchen … das Ladekabel …“ blablabla

Aber sollte dann der Klingelton des patienteneigenen Mobiltelefons: „Spiel mir das Lied vom Tod“sein …  😀    DAS nenne ich schwärzesten Humor! 😉    I like!

Wobei diese Geschichte natürlich völlig frei erfunden ist und Ähnlichkeiten mit (noch) lebenden Personen absolut zufällig sind!

Zynismus im Arbeitnehmeralltag

Wie gut, dass ich mich heute Abend aufgerafft habe und zum Yoga gegangen bin. Yoga richtet mich auf. Körperlich wie mental. Gerade wenn es im Job wieder mal scheiße läuft. Die Arbeit springt mich an und krallt sich in meinen Nacken. Dort sitzt das Scheißbiest, drückt meine Schultern nach unten und lässt mich in der Evulotionsbiologie ein paar Stufen nach hinten gehen. Ich verlerne den aufrechten Gang. Würde ich immernoch eine volle Stelle arbeiten wäre ich nach ein paar Monaten wahrscheinlich soweit in Höhlen zu leben, auf Bäume zu klettern und in Grunzlauten zu kommunizieren.

Ich hatte 3 Wochen Urlaub und habe mich echt auf die Arbeit gefreut. Jetzt habe ich 4 Tage gearbeitet und könnte schon wieder kotzen. Ja klar, Pflege ist kein Kindergeburtstag, Intensiv auch nicht. Aber manchmal kann man nur noch den Kopf schütteln. Ich könnte grad schütteln bis zur Commotio.

Man stelle sich vor es würde ein Patient stationär aufgenommen, der vielleicht einen „schlimmen“ Keim hat. Keime haben bestimmt auch Vorteile, einer der Nachteile ist dass man sie nicht sieht! Also verlässt man sich auf Befunde die andere medizinische Einrichtungen bereits erhoben haben oder man kontrolliert selbst. Vorsichtshalber wird dieser Patient isoliert, dies geschieht zum Schutz anderer Patienten vor Ansteckung (Stichwort Kreuzinfektion) und auch zum Schutz des Personals. Die Bandbreite von Keimen ist weit gefächert. Je ansteckender und je resistenter gegen Medikamente umso gefährlicher ist so ein Keim. Entsprechend wählt man auch die Schutzmaßnahmen. Kittel, Mundschutz und Handschuhe ist klar, jedoch gibt es da Unterschiede. Manchmal lohnt es sich volles Programm zu fahren, das heißt Mundschutz mit Visier (damit man nichts in die Augen bekommt) mit Ausatemventil (die dichten sehr gut ab und man bekommt innerhalb kurzer Zeit Atemnot), Kittel als Einmalmaterial (man braucht bei jedem Patientenkontakt einen neuen Kittel – viel Müll / viel Geld), Plastiküberschuhe (man sieht aus wie die SpuSi im Tatort), Schuhdesinfektionsmatten auf dem Boden oder auch Ganzkörperkittel (wie im Film Outbreak – natürlich das Original von 1995). Gelegentlich ist eine Einzelbetreuung erforderlich. Bedeutet: die Pflegeperson die den bäbä-Patienten betreut darf keinen anderen Patienten anfassen und muss sich an strengste hygienische Richtlinien halten.

Jetzt mal rein hypothetisch gesprochen. Man stelle sich vor es käme ein Patient mit einem sehr ansteckenden Keim in der Anamnese, nennen wir ihn spaßeshalber Acinetobacter baumanii (huiiii). Mag sein, dass die Anamnese vielleicht schwer zu lesen ist (weil in einer anderen Sprache verfasst), ist ja klar, dass man isoliert. Soweit so gut. Und nun gehen die Meinungen auseinander! Isoliert man diesen Patienten herkömmlich oder sehr strikt … und hier steckt des Pudels Kern! Es ist immens teuer und personalaufwendig … und somit nahezu unmöglich umzusetzen. Also geht man her und fährt die normale Variante bis man selbst einen aussagekräftigen Laborbefund hat! Den zu bekommen dauert 3 Tage(!) da man Material bebrüten muss.

Jetzt mal in andere Bereiche des Lebens übersetzt. Man stelle sich vor ein Kantinenkoch bereitet Eiersalat zu. Er merkt bei den letzten paar Eiern, dass die nicht ganz in Ordnung sind. Somit ist die Gefahr gegeben, dass die ganze Chose keimbelastet ist, Gefahr: Salmonellen! Gespräch mit dem Kantinenchef um die Frage zu klären: verwirft man die Speise oder teilt man sie aus und wartet was passiert? Ich bin mir relativ sicher, dass kein intelligenzbegabter Mensch das Essen anbieten würde!  … Lässt sich nun daraus schließen: in der Kantine ist man sicherer als im Krankenhaus? … Gute Frage! ICH bin save! Ich hasse Eiersalat!

Oder: ein Fabrikarbeiter merkt, dass es in der Fertigungshalle komisch riecht. Könnte eine defekte Gasleitung sein. Ruft er den Sicherheitsdienst um dem nachgehen zu lassen? Ja, bestimmt. Zündet er sich in der Wartezeit eine Zigarette an weil er ja noch keine konkrete Info sondern bislang schließlich nur den Verdacht hat???

Aber zum Glück gibt es sowas in dem Krankenhaus in dem ich arbeite ja nicht! Bei uns gibt es keine keimbelasteten Patienten! Und wenn dürfte ich nicht darüber schreiben, da ich als Mitarbeiter zu Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber verpflichtet bin. Es gab schon Abmahnungen weil Personal auf Fratzenbuch über Missstände geschrieben hat … die es ja bei uns nicht gibt!

Mein Arbeitgeber ist so klasse, man hat sich jetzt überlegt wie man dem Personal (welches warum-auch-immer sehr belastet scheint) was Gutes tun könnte. Also setzt man sich zusammen und erarbeitet Ziele. Das Ergebnis ist: in der Kantine wird jetzt auch Bio essen angeboten! Potzblitz! … In einem Krankenhaus arbeiten etwa 75% der Belegschaft in der Pflege, von diesen Leuten arbeiten wahrscheinlich an die 90% im Schichtdienst. Bedeutet: die Pausenzeiten der Schichtdienstler passen nicht mit den Öffnungszeiten der Kantine zusammen! Was wiederum bedeutet: die die den Härtesten Job machen, die Berufsgruppe mit dem höchsten Krankenstand (was NICHTS mit den Arbeitsbedingungen zu tun hat, sind bestimmt auch fiese faule Simulanten bei) haben gar keine Chance in der Kantine zu essen. Stellt man jetzt noch das Einkommen einer Pflegeperson mit den Kosten eines Essens in der Kantine gegenüber kommt man auch auf ein ganz schräges Ergebnis! Tse! Vor einiger Zeit hat man nämlich festgestellt, dass immer weniger Arbeitnehmer in der Kantine essen gehen. Um die Kosten weiterhin zu decken hat man dann schlichtweg die Preise erhöht!

Habe ich also eine Wohnung zu vermieten die keiner will weil sie zu teuer und schlecht gelegen ist muss ich einfach nur den Preis anheben und alles wird gut. Richtig? … Aber ich bin ja kein BWLer! Woher sollte ich sowas wissen!

Wen macht man jetzt verantwortlich? Den Arbeitgeber (Kirche, Staat, Stadt, etc), die Personalabteilung, die Hygieneabteilung, den Geschäftsführer, den Hausmeister? Ich glaube es ist schlichtweg unser System! Ein System das lieber die Chemotherapie als die Vorsorgeuntersuchung bezahlt oder die Wechseldruckmatratze bei bettlägrigen Patienten als die Physiotherapie um zu verhindern dass der Pat bettlägrig wird oder lieber das Bio-essen in der Kantine als die artgerechte Haltung von Mitarbeitern, … das ist schlicht und einfach nur ZYNISCH!

Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren in der Pflege. Ich habe schon so einige Gesundheitsreformen er- und überlebt. Es hat sich in all diesen Jahren weder fürs Personal noch für die Patienten was Wesentliches verbessert. Wäre ich ein zynischer Mensch würde ich sagen: schlimmer geht immer! Aber positives Denken ist ja (vor allem direkt nach der Yogastunde) mein zweiter Vorname. Also freue ich mich auf die Zeit wenn Politiker erkennen werden, dass was faul ist im Staate Dänemark. Und dann wird es bestimmt eine Kommission oder Arbeitsgruppe geben, die sagen wird:“Na Mensch, guck Dir das an, so funktionierts ja gar nicht!“ … und dann … Gibts für alle Bio-Kantinen-Essen und es wird alles gut!!! 🙂

In diesem Sinne Namaste!

(Am Ende wird alles gut und wenns nicht gut ist ists noch nicht das Ende!)

Angst

Ältere Patienten leiden desöfteren unter Demenz. Das macht den Umgang mit Ihnen umso schwieriger wenn man sie aus ihrem Alltag reißt. Ihre gewohnte Umgebung und die übliche Routine sind ihnen eine Stütze, geben Kraft und Sicherheit.

Im Krankenhaus hingegen ist alles fremd und beängstigend. Ständig will jemand etwas von ihnen, all die Kabel zur Überwachung, keiner kennt die häuslichen Rituale. Abends kommt es regelmäßig dazu, dass solche Patienten durchdrehen. Sobald es dunkel wird haben sie das Bedürfnis zu fliehen. Wenn dann jemand aufsteht der nicht stehen kann fällt er und bricht sich die Gräten. Wie soll das verhindert werden? Auf Normalstation ist eine Pflegekraft für 30 Patienten zuständig. Wie soll sie das bewerkstelligen? Medikamente zum Ruhigstellen? A) gesetzlich schwierig und als Nebenwirkung gesundheitlich nicht ungefährlich (jemand der sehr tief schläft atmet unter Umständen nicht ausreichend und bekommt eine Lungenentzündung) B) Fixierung durch Bauchgurt, Handschlaufen, 5-Punkt-Fixierung? ungesetzlich und für die Patienten kaum zu ertragen. Es gibt kaum eine Lösung für dieses Problem bei dem man nicht mit einem Bein im Knast steht oder einen Haufen schlechte Punkte auf dem Karmakonto riskiert.

Je älter die Menschheit wird umso mehr wird es die Aufgabe der Nachgeborenen sich um sie zu kümmern. Manch einer kommt damit gut klar, andere schaffen das kaum. In meiner Nachbarschaft wohnt eine Frau die ihre pflegebedürftige Mutter betreut. Regelmäßig hört man sie schreien, sie ist in meinen Augen vollkommen überfordert. Eine Kollegin betreute in der ambulanten Pflege eine Patientin die von ihrem Mann geschlagen wurde.

Jemanden 24 Stunden am Tag zu versorgen, Füttern, Waschen, Organisieren, Medikamente, Windeln wechseln, den Hintern abwischen, Gejammer und Gekreische ertragen. Das ist eine große Bürde. Erst recht wenn es der eigene Vater / die Mutter ist. Man überschreitet Grenzen. Es kehrt sich um. Der einstig „starke“ Erziehungsberechtigte wird hilfsbedürftig wie ein kleines Kind – ohne Aussicht auf Besserung. Damit umzugehen ist nichts für schwache Nerven.

Heute betreute ich eine demente alte Patientin die schon seit Jahren pflegebedürftig ist und von ihrer Tochter zu Hause versorgt wird. Diese Tochter ist ein sehr einfaches Gemüt und leider vollkommen empathielos.

Die Patientin schreit sobald man sie anfasst. Sie schreit „Hilfe“, „Nein“ und „Lass mich los“. Was nicht dazu passt ist dass sie ständig um sich greift und alles zu sich heran zieht. Man sollte meinen sie würde andere Menschen wegstoßen, aber sie sucht den Körperkontakt und lässt sich beruhigen wenn man sie streichelt … allerdings nicht durch die Tochter.

Es passiert ganz häufig, dass Menchen wenn ihr Verstand sie verlässt zurückgehen in die Zeit ihres Lebens die sie am meisten geprägt hat. Die Zeit in der sie schier unmenschliche Kräfte aufbringen mussten um weiterzumachen, um zu überleben, sich um ihre Familie zu kümmern.

Ich glaube nicht dass diese Tochter ihre Mutter schlägt, aber mir drängt sich ein anderer Verdacht auf. Die Patientin ist 1927 geboren. Zu Ende des Krieges war sie eine junge Frau. In Kriegen wird gemordet, gefoltert und vergewaltigt. Vielleicht hat diese alte Frau Schlimmes erlebt und dieser Film wiederholt sich in ihrem Kopf als Dauerschleife. Es gab, gerade in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges hunderte von Menschen die den Freitod wählten um dem Feind nicht in die Hände zu fallen.

Jetzt könnte man sagen es sei ein Glück, dass diese Generation nun bald ausstirbt und damit endlich Frieden findet. Andererseits gibt es immernoch Kriege und es geht immer weiter. In Stuttgart läuft ein Projetkt das traumatisierte Frauen aus Afghanistan holt um sie in Deutschland therapeutisch zu behandeln. In Nigeria werden hunderte Mädchen entführt und als Sklavinnen verschachert. Die Kindersoldaten in Ruanda sind jetzt (so sie denn überlebt haben) Mitte/Ende 20. Ich habe mal erlebt wie ein gynäkologischer Chefarzt einer Frau zur Geburt ihres Kindes gratulierte. Leider kam diese Frau aus Bosnien und war ein Vergewaltigungsopfer. Auch die Flüchtlinge aus Syrien haben Schlimmes erlebt und viele überleben die Flucht vor dem Krieg gar nicht. Sie ertrinken wenige Kilometer vor den Stränden an welchen wir so gerne die schönste Zeit des Jahres verbringen.

Ist das nicht alles krank und widerlich?

In 20, 40 und in 60 Jahren werden andere versuchen ihre Angehörigen zu beruhigen und hoffentlich deren Hand halten wenn sie ein ums andere Mal die schlimmste Zeit ihres Lebens durchmachen.

Ich hätte gern eine Fernbedienung für den Projektor um jedem seinen eigenen Schnulzenfilm mit Happyend auf die Festplatte zu programmiern! Das wäre in meinen Augen die sinnvollste Erfindung seit der Händedesinfektion!

Der Vibrator aka das Ding oder auch Skuriles aus dem Kliniksalltag

11:30 auf einer internistischen Intensivstation irgendwo in Deutschland klingelt das Telefon. (PP: Pflegekraft, Fr.M: Angehörige)

PP: Station xy, … (Name des Krankenhauses), … (Name der Pflegekraft), guten Tag.

Fr.M (agressiver Grundton): Guten Tag, hier ist die Frau M aus …. Mein Mann ist vor 3 Wochen bei Ihnen gestorben und ich will jetzt seinen Vibrator zurück!

PP (ratlos): Ähhh … wie bitte?

Fr.M (lauter, aggressiver): Mein Mann ist tot und ich will seinen Brillator zurück.

PP: Entschuldigen Sie bitte FrauM, ich habe nicht genau verstanden um was es geht. Sie möchten WAS zurück?

Fr.M: Mein Mann hat vor 5 Monaten im … (anderes Krankenhaus in derselben Stadt) einen Debrillator bekommen. Jetzt ist er tot und ich will das Ding haben. Geht Sie gar nix an, ob ich das Ding gebrauchen kann oder nicht. Ich will das haben!

PP: Sie meinen einen Defibrillator?

Fr.M: Ja genau. Den will ich haben!

PP: Ähh, tut mir leid, den haben wir nicht. Der war doch implantiert, oder?

FrM: Ja, den hatte er reingesetzt bekommen. Und dann ist er gestorben. Jetzt wurde er verbrannt. Oder wollen Sie mir etwa sagen, Sie haben das Ding mitverbrannt?

PP: Also FrauM. WIR haben Ihren Mann nicht verbrannt. Da müssen Sie sich an den Bestatter wenden.

FrM: Ja haben Sie das Ding etwa verbrannt?

PP: Tut mir leid, das ist ein Missverständnis. WIR hier im Krankenhaus verbrennen nichts und niemanden. Sie müssen mit dem Bestatter sprechen.

FrM: Aber die Dinger werden doch vorher rausgenommen, oder?

PP: Ja, das stimmt, sowas wird vor der Feuerbestattung entfernt. Aber nicht vom Krankenhaus sondern vom Bestatter.

Fr.M: Ja und wo ist das Ding jetzt?

PP: Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Da müssen Sie sich an das Beerdigungsinstitut wenden.

FrM: Das ist ja unerhört! Wie kann denn so was sein?

PP: ???

FrM: Das schreib ich an die Bildzeitung

… Ich würde gern sagen das Gespräch entspringt meiner Phantasie aber leider leider trug sich das heute so zu! Ich hoffe der Bestatter hatte heute gute Nerven!

🙂

Ende

Würde ich eine 747 steuern, …

… wenn man mich lieb darum bäte? … Hmmm, ich habe mal den Steuerknüppel einer Cesna gehalten und bin erfolgreich 5 Minuten geradeaus geflogen. Da endet aber auch meine Erfahrung als Flugzeugführerin. Hunderte von Menschenleben hingen wohl davon ab, ob ich es schaffe zu starten oder zu landen (den kläglichen Rest macht sicher der Autopilot).

Ich traue mir viel zu, würde das Angebot  aber letztlich wohl eher ablehnen. Mangels meiner Erfahrung im Betreiben eines Jumbos wäre sicher jemand mit mehr Erfahrung diesbezüglich besser geeignet.

Nun klingelte heute in einem echt stressigen Dienst das Telefon der Intensivstation auf welcher ich arbeite. Eine Stationssekretärin ist dran und fragt ob ich mal eben auf die Station xyz kommen könne, dort alarmiere das Beatmungsgerät der Patientin soundso. Die Dame war vorher stationär bei uns und wurde nun auf „Normalstation“ verlegt. Ich fragte nach, ob denn niemand vorort sei der sich damit auskenne. Die Antwort „die zuständige Pflegekraft habe die Sekretärin gebeten anzurufen“. … Meine Frage, wer denn sonst noch zuständig sei, ob sie sich nicht an den Stationsarzt wenden könne wird mehr oder minder ignoriert bzw verneint. Zu jenem Zeitpunkt sind bei uns gerade 2 Zugänge gekommen, ein Patient kreislaufinstabil, kurz vor der Reanimationspflichtigkeit, meine beiden regulären Patienten (beide beatmet) müssen gelagert werden, bzw einer von beiden würde sich sicher freuen wenn ich ihn / sie von den Ergebnissen einer erfolgreichen Abführmaßnahme befreien würde … . Also bei uns war die Hölle los – wie das eben manchmal so ist.

Ich beende das Telefonat und nehme mir vor sobald ich kann hochzugehen. … Habe aber im Hinterkopf, dass da gegebenenfalls gerade ein Mensch erstickt weil ein anderer sich nicht mit der Beatmungsmaschine auskennt. Was die Sekretärin auch eben so hinnimmt, sie hat ja ihren Teil erledigt.  … Okayyy! … Meiner Kollegin L. nimmt sich dann die Zeit und rennt hoch. … Wieder ein Leben gerettet, denke ich! …  VON WEGEN! …

Letztlich hat nicht das Beatmungsgerät der Patientin gepiepst sondern das elektrische Bett hat Alarm gegeben! Das Bett gehört zur Standardausrüstung des Krankenhauses! Die Kollegin hats einfach nicht geschnallt!

Ich bin meiner Kollegin L. sehr dankbar, dass sie hochging, ich hätte einen Anfall bekommen und wäre sehr laut geworden!  SEHR LAUT!!!

Geregelt ist es wohl so, dass die Oberärztin dieser Abteilung eine Einweisung in das Beatmungsgerät bekommen hat und somit die Verantwortung trägt (zumindest in ihrer Dienstzeit von 8h/Tag), … aber eben nicht sie allein. Die Kollegin die diese Pat betreut hat genauso die Verantwortung … und KEINE Einweisung!

Da frage ich mich a) warum übernehme ich als Pflegekraft eine solche Patientin, bzw b) wie kann man einen Menschen der ohne die Hilfe anderer nicht überleben kann auf eine Station verlegen wo sich KEINER mit dem Gerät auskennt!

Abgesehen davon hätte ICH rechtlich nichts an dem Gerät machen dürfen weil auch ich keine Einweisung in dieses Gerät habe (siehe MedGV).

Die Oberärztin war gerade nicht da und sonst hat eben dort keiner eine Ahnung vom Gerät, bzw vom Umgang mit beatmeten Patienten. In meinen Augen eine unhaltbare Situation und eine Katastrophe! Aber das ist eben die Sachlage in deutschen Krankenhäusern. … Nicht schön!

Stellt sich doch wirklich die Frage warum lass ich mir die Betreuung eines Kernreaktors auftragen wenn meine einzige Erfahrung mit Nuklearstrom die eigene Mikrowelle bzw der heimische Strom aus der Steckdose ist!!! …

„Lieb und nett oder pflegekompetent?“

… war mal der Titel eines Vortrags auf einem Pflegekongress in Hamburg vor sage und schreibe 20 (!) Jahren. Damals schon beschrieb jemand die personelle / professionelle Situation in der Pflege. Man gräbt sich selbst das Wasser ab. Hinz und Kunz nennt Pfleger/innen bzw Krankenpflegepersonal beim Vornamen, allseits begehrt mit dem Zusatz „Schwester„! Man behandelt Pflegende von oben herab und glaubt sie seien dumm (schließlich muss ja dumm sein, wer anderen den Hintern abwischt! Sonst hätte man ja was Gescheites gelernt!).

Das Wort Schwester (welches mir nur mit Würgereiz aus der Tastatur fließt), bezeichnet lt. Duden online eine „Person weiblichen Geschlechts im Verwandtschaftsverhältnis zu einer anderen Person, die von denselben Eltern abstammt“ und erst als viertgenanntes die Kurzform für: Krankenschwester, als drittes immerhin die Nonne oder Ordensschwester, welche sicher einen wichtigen Platz in der Geschichte der Pflege einnnimmt. Aber eben in der GESCHICHTE der Pflege.

Heutzutage überlegen Pflegeexperten die Pflege-Ausbildung in Deutschland anderen (weit fortschrittlicheren Ländern wie zB England, Schweiz, Skandinavien oder Spanien) anzupassen und daraus einen Studiengang zu machen. Deutsche Regierungen hingegen überlegen sich die Voraussetzungen für eine Pflegeausbildung zu senken (von Real- auf Hauptschulniveau) um mehr Interessenten zu bekommen.

Was für ein krasser Gegensatz! Die einen wollen mehr Qualität die anderen mehr Köpfe, scheißegal zu welchem Preis!

Wozu dies emotionale Thema an einem schönen Freitagnachmittag? Ich parkte heute mein Auto in der Nähe einer Anzeige. Ein evangelisches Krankenhaus hier in der Stadt, welches vor 20 Jahren ganz weit vorne war mit Pflegeplanung, Plflegeforschung und Selbstverständnis der Pflege wirbt mit einem riesengroßen Poster das mit echt die Schuhe ausgezogen hat. Eine junge Frau im Intensivkasak, mit Engelsflügeln steht ganz geduldig und gütig im Hintergrund während der Halbgott in weiß dem Patienten was erklärt. Dazu der Spruch: „Verantwortung ist Deine Berufung? Dann ist Pflege Dein Beruf!“

Das ist sooo übel! Das sind Siebenmeilenstiefelschritte in die falsche Richtung nämlich zurück zum dummen Karbolmäuschen mit Häubchen, welches in ihrem Beruf so sehr aufgeht, dass sie eigentlich gar kein Geld dafür will.

Ich kotze!!!!!

2014-10-17 09.53.29