Würde ich eine 747 steuern, …

… wenn man mich lieb darum bäte? … Hmmm, ich habe mal den Steuerknüppel einer Cesna gehalten und bin erfolgreich 5 Minuten geradeaus geflogen. Da endet aber auch meine Erfahrung als Flugzeugführerin. Hunderte von Menschenleben hingen wohl davon ab, ob ich es schaffe zu starten oder zu landen (den kläglichen Rest macht sicher der Autopilot).

Ich traue mir viel zu, würde das Angebot  aber letztlich wohl eher ablehnen. Mangels meiner Erfahrung im Betreiben eines Jumbos wäre sicher jemand mit mehr Erfahrung diesbezüglich besser geeignet.

Nun klingelte heute in einem echt stressigen Dienst das Telefon der Intensivstation auf welcher ich arbeite. Eine Stationssekretärin ist dran und fragt ob ich mal eben auf die Station xyz kommen könne, dort alarmiere das Beatmungsgerät der Patientin soundso. Die Dame war vorher stationär bei uns und wurde nun auf „Normalstation“ verlegt. Ich fragte nach, ob denn niemand vorort sei der sich damit auskenne. Die Antwort „die zuständige Pflegekraft habe die Sekretärin gebeten anzurufen“. … Meine Frage, wer denn sonst noch zuständig sei, ob sie sich nicht an den Stationsarzt wenden könne wird mehr oder minder ignoriert bzw verneint. Zu jenem Zeitpunkt sind bei uns gerade 2 Zugänge gekommen, ein Patient kreislaufinstabil, kurz vor der Reanimationspflichtigkeit, meine beiden regulären Patienten (beide beatmet) müssen gelagert werden, bzw einer von beiden würde sich sicher freuen wenn ich ihn / sie von den Ergebnissen einer erfolgreichen Abführmaßnahme befreien würde … . Also bei uns war die Hölle los – wie das eben manchmal so ist.

Ich beende das Telefonat und nehme mir vor sobald ich kann hochzugehen. … Habe aber im Hinterkopf, dass da gegebenenfalls gerade ein Mensch erstickt weil ein anderer sich nicht mit der Beatmungsmaschine auskennt. Was die Sekretärin auch eben so hinnimmt, sie hat ja ihren Teil erledigt.  … Okayyy! … Meiner Kollegin L. nimmt sich dann die Zeit und rennt hoch. … Wieder ein Leben gerettet, denke ich! …  VON WEGEN! …

Letztlich hat nicht das Beatmungsgerät der Patientin gepiepst sondern das elektrische Bett hat Alarm gegeben! Das Bett gehört zur Standardausrüstung des Krankenhauses! Die Kollegin hats einfach nicht geschnallt!

Ich bin meiner Kollegin L. sehr dankbar, dass sie hochging, ich hätte einen Anfall bekommen und wäre sehr laut geworden!  SEHR LAUT!!!

Geregelt ist es wohl so, dass die Oberärztin dieser Abteilung eine Einweisung in das Beatmungsgerät bekommen hat und somit die Verantwortung trägt (zumindest in ihrer Dienstzeit von 8h/Tag), … aber eben nicht sie allein. Die Kollegin die diese Pat betreut hat genauso die Verantwortung … und KEINE Einweisung!

Da frage ich mich a) warum übernehme ich als Pflegekraft eine solche Patientin, bzw b) wie kann man einen Menschen der ohne die Hilfe anderer nicht überleben kann auf eine Station verlegen wo sich KEINER mit dem Gerät auskennt!

Abgesehen davon hätte ICH rechtlich nichts an dem Gerät machen dürfen weil auch ich keine Einweisung in dieses Gerät habe (siehe MedGV).

Die Oberärztin war gerade nicht da und sonst hat eben dort keiner eine Ahnung vom Gerät, bzw vom Umgang mit beatmeten Patienten. In meinen Augen eine unhaltbare Situation und eine Katastrophe! Aber das ist eben die Sachlage in deutschen Krankenhäusern. … Nicht schön!

Stellt sich doch wirklich die Frage warum lass ich mir die Betreuung eines Kernreaktors auftragen wenn meine einzige Erfahrung mit Nuklearstrom die eigene Mikrowelle bzw der heimische Strom aus der Steckdose ist!!! …

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3 Gedanken zu “Würde ich eine 747 steuern, …

  1. Herrje, das ist wirklich ein Drama. Als Patient bekommt man es – wohl glücklicherweise – nicht mit, welches Schauspiel sich oft hinter den Kulissen abspielt.

  2. Oh mann, ich kann Krankenhäuser nicht leiden, auch ohne eigene Erfahrung mit Intensivstationen (nur als Besuch) reicht mir das was ich auf den 3 Stationen wo ich so war erlebt habe aus das ich es meide wie die Pest. Und ich bete das ich nie niemals auf eine Intensivstation komme.
    Ich bewundere alle Menschen zutiefst die diese Arbeit machen und möchte Dir hiermit meinen allergrößten Respekt erweisen. Also ich merk schon das es mir grade immer wichtiger wird gewisse Dinge zu klären falls es mir mal nicht mehr gut gehen sollte.
    Ich erinnere mich sehr gut als meine Oma damals Ihren Schlaganfall hatte. Ein paar min später und Sie wäre tot gewesen aber das war Ihr nicht vergönnt. ich sah Sie dann an den ganzen Maschinen und auch diesem grusligen Beatmungsgerät… was sobald es mal läuft ja nicht mehr abgestellt werden darf… eieiei… oh mann

    Irgendwie ist das echt so krass das das so läuft. Das grade da wo es so wichtig wäre und vorallem wo Menschen soviel zählen sowenig Einarbeitung und wie es scheint eben auch viel zuwenig Personal da ist… und in irgendwelchen Maßnahmen sitzen Leute rum und langweilen sich …. verrrückte Welt.

  3. Ach Du grüne Neune.
    Ich könnte da jetzt so die ein oder andere Geschichte vom UKE beisteuern, die sich zwar im Foyer ein Piano nebst Pianospieler leisten (!?) aber auf den Stationen nur Stundenlöhner, die nicht wissen, wie was wo warum funktioniert. (Muss ich erwähnen, dass mein Schwiegervater letztlich gestorben ist?)

    *seufz*

    Dir einen hoffentlich entspannten Sonntag 🙂

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