„Lieb und nett oder pflegekompetent?“

… war mal der Titel eines Vortrags auf einem Pflegekongress in Hamburg vor sage und schreibe 20 (!) Jahren. Damals schon beschrieb jemand die personelle / professionelle Situation in der Pflege. Man gräbt sich selbst das Wasser ab. Hinz und Kunz nennt Pfleger/innen bzw Krankenpflegepersonal beim Vornamen, allseits begehrt mit dem Zusatz „Schwester„! Man behandelt Pflegende von oben herab und glaubt sie seien dumm (schließlich muss ja dumm sein, wer anderen den Hintern abwischt! Sonst hätte man ja was Gescheites gelernt!).

Das Wort Schwester (welches mir nur mit Würgereiz aus der Tastatur fließt), bezeichnet lt. Duden online eine „Person weiblichen Geschlechts im Verwandtschaftsverhältnis zu einer anderen Person, die von denselben Eltern abstammt“ und erst als viertgenanntes die Kurzform für: Krankenschwester, als drittes immerhin die Nonne oder Ordensschwester, welche sicher einen wichtigen Platz in der Geschichte der Pflege einnnimmt. Aber eben in der GESCHICHTE der Pflege.

Heutzutage überlegen Pflegeexperten die Pflege-Ausbildung in Deutschland anderen (weit fortschrittlicheren Ländern wie zB England, Schweiz, Skandinavien oder Spanien) anzupassen und daraus einen Studiengang zu machen. Deutsche Regierungen hingegen überlegen sich die Voraussetzungen für eine Pflegeausbildung zu senken (von Real- auf Hauptschulniveau) um mehr Interessenten zu bekommen.

Was für ein krasser Gegensatz! Die einen wollen mehr Qualität die anderen mehr Köpfe, scheißegal zu welchem Preis!

Wozu dies emotionale Thema an einem schönen Freitagnachmittag? Ich parkte heute mein Auto in der Nähe einer Anzeige. Ein evangelisches Krankenhaus hier in der Stadt, welches vor 20 Jahren ganz weit vorne war mit Pflegeplanung, Plflegeforschung und Selbstverständnis der Pflege wirbt mit einem riesengroßen Poster das mit echt die Schuhe ausgezogen hat. Eine junge Frau im Intensivkasak, mit Engelsflügeln steht ganz geduldig und gütig im Hintergrund während der Halbgott in weiß dem Patienten was erklärt. Dazu der Spruch: „Verantwortung ist Deine Berufung? Dann ist Pflege Dein Beruf!“

Das ist sooo übel! Das sind Siebenmeilenstiefelschritte in die falsche Richtung nämlich zurück zum dummen Karbolmäuschen mit Häubchen, welches in ihrem Beruf so sehr aufgeht, dass sie eigentlich gar kein Geld dafür will.

Ich kotze!!!!!

2014-10-17 09.53.29

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10 Gedanken zu “„Lieb und nett oder pflegekompetent?“

  1. Vielen Dank für deinen Artikel. Das lustige ist, dass meine Agentur spezialisiert auf Kommunikation im Gesundheitswesen/-Wirtschaft etc ist und das hier ist unter aller Kanone….Ich stimme dir daher VOLL ZU und leide still mit dir mit! Es geht in die falsche Richtung….auweia

    • Es ist nicht mal mehr eine Ohrfeige für den Pflegeberuf, es ist ein Handkantenschlag auf den Solar Plexus. Die Werbeagentur, die jenen Vorschlag verkauft hat möge der Schlag treffen! Eitrige Geschwüre mögen den verantwortlichen Personen wachsen an Stellen, die ich hier nicht näher bezeichnen möchte.

  2. Mir ist ja zuallererst die Geste mit der die junge Frau dasteht aufgestoßen. Dieses bescheidene unterwürfige mit den sich selbst haltenden Händen..irgendwie ist der Scheiß auch noch Sexistisch und bedient alte Rollenbilder…ich kotz mal ne Runde mit ab. Bei uns hängen wieder übelste Strumpfhosenherstellerplakate, ähnliches Thema … würg
    Und ja wie das so läuft hier mit sozialen berufen ist einfach ätzend. Ich überlege schon wo ich so ne Selbstmordpille herbekomme bevor ich zum Pflegefall werden sollte – ohne Guthaben, geh ich lieber.

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