Intensives Arbeiten bei „freier Zeiteinteilung“

Wie das so ist! Man weiss den Termin 6 Monate im Voraus und denkt sich „boah, das ist noch so lange hin“. … Um dann 5,8 Monate später festzustellen „huiii, ist das wirklich kommenden Freitag?“ so war das in der Schule mit Hausaufgaben die man ERST 3 Tage später brauchte, so war das zu Ausbildungszeiten, so ist das noch heute!

Aktuell erarbeite ich mit einer Kollegin einen Vortrag im Rahmen einer Fortbildungsreihe in unserer Klinik. Thema ist Delir (und das hat nichts mit Alkohol zu tun!). Es ist ein Thema welches im Alltag einer Intensivstation viel Interesse weckt, bzw wecken sollte.

Ich reiße mir also hier ein Bein aus um ein viele-seitenfüllendes Thema kompakt in einen Powerpointvortrag von max 60min zu verwandeln. Diese Zeit bekomme ich weder bezahlt noch irgendwie angerechnet. Einzig die 60min Vortrag sind Arbeitszeit.  … Beim letzten Termin (zum Thema „Angehörige auf Intensiv“ – sehr spannend!) kamen genau 2 Leute! Das ist ziemlich frustrierend und ärgerlich. Auch wird die Leistung des Dozenten in keinster Weise gewürdigt! Die Kollegin hatte ihre Bachelorarbeit zu diesem Thema vorgestellt. Ich hatte sie vorab schon gelesen und finde sie großartig (ihre Prüfer auch, sonst wäre es keine 1er Arbeit geworden).

Es gab einmal eine Zeit, da waren die Fortbildungen meiner Station sehr gut besucht. Die Veranstaltungen sind IMMER gut recherchiert, aktuell und qualitativ sehr anspruchsvoll! Man diskutierte zusammen und ging danach gemeinsam etwas trinken. Mittlerweile kommt kaum noch jemand, ungeachtet des Themas. Die Leute haben keine Lust / keine Zeit! Es gibt Kollegen, die glauben sie haben keine fortbildenden Manßnahmen nötig weil … ja warum auch immer! Ich frage mich was man dagegen tun kann. Man kann die Leute nicht zwingen motiviert zu sein, man  kann sie auch nicht zwingen ihren Job gut zu machen. Man kann nur mit guten Beispiel voran gehen und hoffen, dass welche folgen. Manchmal möchte ich Empathie und Motivation in so manchen Kollegen reinprügeln.

Es liegt sicher auch an steigendem Anspruch durch mehr und mehr Patienten, das größere Team, die neuen / unerfahrenen Kollegen und der schlechten Stimmung im Haus. Trotzdem finde ich sollte es der Anspruch eines jeden sein, seine Arbeit am Patient so zu verrichten wie er selbst auch gepflegt werden wollte und Angehörige so zu behandeln wie man eben selbst behandelt werden wollte. Da sehe ich ein ganz großes Defizit!

2014-08-11 08.15.04

Meine Hoffnung gilt den jungen Kollegen. Hoffentlich werden die fit und motiviert! Und bleiben motiviert falls ich selbst mal Patient werde! 😉  Sonst gibts auf die Ohren! 😀

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5 Gedanken zu “Intensives Arbeiten bei „freier Zeiteinteilung“

  1. …ich denke…räusper…ein wenig liegt es auch an powerpoint. Das lustigste was ich je erlebte war ein Vortrag ueber Neue Medien, deren Nutzung, vor und Nachteile fuer Kinder und Jugendliche, eines sehr erfolgreichen Autors. Sein Laptop streikte und seine Präsentationen blieb somit im Rechner. Er versuchte sehr unsicher und fahrig seinen Vortrag

  2. zu halten und bekam es mit grosser Mühe hin, ein schönes Beispiel für den Nachteil. Am Ende habe ich darauf hingewiesen. Die meisten Powerpointdinger sind schoen bunt aber langweilig, sie nehmen den Zuhörer nicht mit. Der Vortragende ist getrennt von seinem Medium. An der Tafel ist es anders.

    • Schönes Beispiel für einen misslungenen Vortrag. 🙂

      Aber wenn ich das richtig verstehe glaubst Du die Kollegen bemühten sich nicht dorthin weil es eine Powerpoint veranstaltung ist? Das finde ich ein sehr fadenscheiniges Argument. Mein ppt-Vortrag wirft nur ein paar Folien mit Zahlen, Fakten und Screening-Instrumenten an die Wand. Das Meiste / Interessanteste dazu werde ich erzählen und herumgeben. Wie Beispiele aus dem Alltag anhand von Patienten oder die Auswirkungen des Nicht-screenens in Bezug auf das outcome des Pat, die Liegedauer, etc.

      Ich glaube die meisten gehen nicht hin weil sie a) meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, b) sich wenig für Neuerungen interessieren und / oder c) so nah am Ausbrennen sind, dass sie nur noch das machen, was sie unbedingt machen müssen!

      Ich werde berichten wieviele Kollegen/ -innen sich hingeschleppt haben (unter Berücksichtigung meiner Androhung körperlicher Gewalt bei Nicht-Erscheinen;-)).
      LG

  3. Ich muss ja noch das Statistik-Tier füttern. Also: mit Hilfe von etwas Werbung erreichten wir bei der FB eine Teilnehmerzahl von 8 Kollegen! Das ist immerhin ein Zuwachs von 300% im Vergleich zur letzten Veranstaltung. Es entstand danach eine rege Diskussion die zeigte, dass man dem Vortrag aufmerksam gefolgt war. Im Verlauf der kommenden Tage ergab es sich auch im Alltagsgeschehen, dass umgesetzt werden konnte, was wir vorgetragen haben.
    Alles in allem: ein voller Erfolg! … Und es wurde sogleich ein neuer Termin festgelegt, an welchem die FB erneut gehalten wird (für alle, die am 15.6. nicht konnten aber gerne hingegangen wären).
    🙂

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